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ISS - ISS VC-11 (083) - Sojus FG (012)  

ISS VC-11

11. Besucher-Crew der ISS.
Die Amerikanerin Anousheh Ansari war die erste Weltraumtouristin, die zur ISS flog.


» Daten:
Start:  18. Sep. 2006, 04:08 GMT
Ende:  29. Sep. 2006, 01:14 GMT
Landung (Erde)
» Crew:  Ansari
» Nutzlast:  Experimente: div. pädagogische Projekte, medizinische & biologische Forschung (ESA)

Bild vergrößernAnousheh Ansari
©

Mit diesem Flug wurde die im Iran geborene Amerikanerin Anousheh Ansari zur ersten Weltraumtouristin. Ursprünglich sollte der Japaner Daisuke Enomoto zur ISS fliegen, mußte jedoch aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten.

Der Aufenthalt auf der ISS kostete die Unternehmerin und Multimillionärin rund 20 Millionen US-Dollar (rund 16,6 Mio. Euro). Bekannt wurde Ansari durch den nach ihr benannten Ansari X-Prize, der von ihrer Kapitalbeteiligungsgesellschaft Prodea Systems mit mehreren Millionen US-Dollar unterstützt wurde. Der 1996 gestartete Wettbewerb der US-amerikanischen X-Prize Foundation prämierte den ersten erfolgreichen privaten und bemannten suborbitalen Raumflug. Durch den erfolgreichen Flug des SpaceShipOne am 4. Oktober 2004 entschied Scaled Composites den mit 10 Millionen Dollar dotierten Wettbewerb für sich.

Vor dem Start in Baikonur sagte Ansari: "Ich möchte Vorbild für alle Frauen und Mädchen dieser Erde sein. Man kann alles im Leben erreichen, wenn man nur hart und konsequent genug sein Ziel verfolgt." Für die ISS war ihr Besuch in jedem Fall ein Gewinn: Mit der Weltraumtouristin zog gewissermaßen ein Stern auf der ISS ein - und ein Stück mehr Normalität des Lebens. Deutlich wurde dies, als Anoushey Ansari mit ihrer ersten Arbeit begann, dem Beginn ihres Weltraum-Blogs. Dabei bemerkte sie zunächst nicht, dass eine Kamera auf sie gerichtet war und die Mitarbeiter des Misson Control Centers diese Bilder fasziniert über NASA-TV laufen ließen. Im Hintergrund feixten die beiden Besatzungsmitglieder Williams und Winogradow und machten sie schließlich auf die Kamera aufmerksam. Schlagartig wurde aus der zuvor hochkonzentriert arbeitenden Gast-Astronautin ein Mädchen, das mit einer unbeholfenen Handbewegung verlegen in die Kamera schaute und sich mit einem Kontrollgriff unbewusst die Kleidung glatt strich. Sitzt auch alles richtig? Und auch in der Schwerelosigkeit gelten dieselben irdischen Gesetze: die 5 Männer auf der ISS genieren sich und versuchen sich ganz besonders eindrucksvoll zu zeigen... Es ist eben eine besondere Frau an Bord.

Aus Anoushey Ansari’s Weltraum-Blog (24. September 2006):
"... Jeder möchte genau wissen: Wie duscht man sich im All? Wie putzt man sich die Zähne? Wie wäscht man sich die Haare? Nun meine Freunde, ich muss zugeben, dass gute Hygiene im All nicht einfach ist! Es gibt keine Dusche oder einen Hahn mit laufendem Wasser. Wasser "fließt" hier nicht, es "schwimmt" - das macht es einem schwieriger, sich zu waschen. Also was machen die Leute hier, besonders die, die sechs Monate am Stück hier bleiben? Sie improvisieren! Es gibt nasse Tücher, nasse Waschlappen und trockene Tücher, die für die Reinigung benutzt werden. Normalerweise erhält jede Person ein nasses Tuch am Tag und ein Paar von den trockenen. Jede Person hat einen persönlichen Hygienekoffer, in dem sie ihr Zeug wie Zahnbürste hat und eine Rasierausstattung, Cremes, usw.. Ich erhielt die Würfel-K Ausstattung, also hatte ich einen Rasierer und Mengen von Rasierschaum, aber kein Make-up...:-)

Nun, sich die Zähne im All zu putzen, ist noch mal ein anderer Spaß. Die Astronauten können ihren Mund nicht ausspülen und auch nicht ausspucken, nachdem sie die Zähne geputzt haben. So beenden sie alles mit Ausspülen und Schlucken. Sie nennen es den frischen Minze Effekt. Die interessanteste Erfahrung - oder soll ich es Experiment nennen - ist das Waschen der Haare. Jetzt weiß ich, warum Leute ihr Haar so kurz im All haben. Im Grunde nimmst du einen Wasserbeutel und machst langsam eine sehr große Wasserblase über deinem Kopf, und dann wäschst du sehr sehr behutsam - mit einem Trockenshampoo - dein Haar. Bei der geringfügigsten plötzlichen Bewegung fangen kleine Wasserblasen an, überall herum zu schwimmen.

Ich habe ein paar Videos von meiner Haarwascherfahrung gemacht, die ich verteile, wenn ich zurückkomme. Selbstverständlich ist Wasser hier ein wertvolles Hilfsmittel und wird aufbereitet, also wird nichts Nasses weggeworfen, stattdessen wird es an der Luft getrocknet. Es gibt hier eine Wasseransammlungsstelle, die die Feuchtigkeit aus der Luft heraus nimmt und sie aufbereitet und reinigt. Dies schließt deine verschwitzte Kleidung mit ein, nachdem du trainiert hast. Einer der Kosmonauten erklärte mir einmal: "Wir alle sind uns sehr nah, wie Brüder und Schwestern, es ist sehr einzigartig, weil wir des anderen Schweiß trinken." Jetzt weiß ich gut, was das bedeutet...

Es gibt im russischen Segment Übungsausrüstungen, eine Tretmühle und ein Fahrrad mit der besten Aussicht der Welt, und ein paar Widerstandstrainer und ein anderes Fahrrad im amerikanischen Segment. Astronauten und Kosmonauten trainieren jeden Tag, manchmal zweimal täglich, um sicherzustellen, dass sie die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf ihren Muskeln und Knochen verringern. Wenn Leute in der Schwerelosigkeit für einen längeren Zeitabschnitt leben, fangen ihre Muskeln an schwächer zu werden und zu schrumpfen, weil sie nicht so viel verwendet werden. Es gibt keine Schwerkraft als Widerstand, es ist alles ohne Mühe. Du verlierst auch Kalzium in den Knochen, so kommt es zu einem Knochendichteverlust.

Sie sagen immer, dass du nicht deinen Kuchen haben und ihn auch essen kannst... So schätze ich, dass du all die Schönheit und Aufregung des Alls mit einem gewissen Preis bezahlen musst. Selbstverständlich bin ich sicher, dass einer von euch da draußen ein Biologe oder ein Doktor wird und erfindet, wie man all diesen Effekten entgegenwirkt, sodass wir auch lange Reisezeiten zum Mars und anderen Sonnensystemplaneten und Monden hinter uns bringen, und unsere Suche über unser Sonnensystem hinaus fortsetzen können..."

Nach acht Tagen an Bord der ISS hieß es dann wieder Abschied nehmen und am 28. September koppelte die Sojus TMA-8 mit der Touristin und der bisherigen 13. ISS-Stammbesatzung von der Station ab und macht sich auf den Rückweg zur Erde. Die Landung erfolgte am nächsten Tag in der Steppe von Kasachstan. Nach der Landung wurde Ansari nach Kommandant Pawel Winogradow als zweite aus der Kapsel getragen. Zur Begrüßung wurden ihr rote Rosen übereicht und ein Apfel, der nun natürlich wieder "runterfällt". Ehemann Hamid stand ihr zur Seite und gab ihr ein Küsschen. Ansari lächelte glücklich und winkte in die Kameras. Während sie auf einem Stuhl in der Steppe saß und in ihren Apfel biss, fühlten Ärzte den Puls und wischten den Schweiß von ihrer Stirn. Winogradow lobte Ansari zum Abschluss des Fluges: "Sie hat es wirklich gut gemacht". Und US-Astronaut Jeff Williams sprach gar vom "Flug seines Lebens". Anschließend hielten sich alle drei Raumfahrer an den Händen und beglückwünschten sich.

Nächste Mission:
» ISS AF-23P





 
 
 
 

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22.02.2015

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Autor dieses Artikels:  Redaktionsbüro cclive

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